Kommentar zur Diskussion im ef-Magazin
9. September 2007 | Von tio85 | Kategorie: Islam
Eigentlich ist dieser Grabenkampf via ef-Magazin doch mehr als lächerlich in meinen Augen. Allein der Hergang: Stefan Herre gibt ein Interview, darauf schreibt Arne Hoffmann eine Gegenposition, darauf Herre auch eine und darauf schreibt Hoffmann zu guter letzt (oder doch vorletzt?) einen Kommentar. Das lächerliche daran ist, dass sich, bis auf das Interview, alle Artikel mehr oder weniger inhaltslos gegenüberstehen und mit keinem Wort auf den eigentlichen Streitpunkt eingehen, nämlich der unterschiedlichen Einstellung zum Islam. Nichtsdestotrotz gefielen mir Herres Ausführungen inhaltlich besser, da Hoffmann am eigentlichen Thema vorbeigeschossen ist meiner Meinung nach. Aber wenigstens ist Hoffmann ein vernünftiger Diskussionspartner, so dass sich letztens Endes ein recht interessantes Hin und Her ergab. Lächerlich fand ich es irgendwo aber immer noch.
Das Interview mit Herre fand ich informativ und gut formuliert, wie ich es mittlerweile gewohnt bin bei der Lektüre von Herres Texten. Deswegen werde ich auf das Interview auch nicht näher eingehen. Es ist m.E. eine sehr gute Zusammenfassung der Beiträge von PI, sprich der Thesen und Argumente, die dort Tag für Tag zu finden sind, und dem Bild welches sich dadurch ergibt, sofern man sich seit längerem zu einem regelmäßigen Leser PIs zählen kann.
Die Kritik von Hoffmann, dass Interview sei unkritisch (ich vermute in Bezug auf die Fragen seitens ef), halte ich deswegen auch für unangebracht. Es war in meinen Augen nicht die Intention des Interviews, Herre “in die Mangel” zu nehmen und mit unbequemen Fragen in die Enge zu treiben (das könnte ja die SZ mal übernehmen bei Gelegenheit), sondern die Position, die Anliegen oder die Motive eines bekannten, bestimmt auch kontroversen Islamkritikers aufzuzeigen. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ist das Interview zwar nicht von einer Eloquenz eines Ralph Giordano aber dennoch über jeden Zweifel erhaben.
Des weiteren halte ich die Kritik von Hoffmann, dass Interview sei uninformiert (ich gehe davon aus er meint hiermit Stefan Herre) ebenfalls für unangebracht. Wenn nicht einmal Herre, der sich schließlich schon seit Jahren mit dem Thema Islam auseinandersetzt als informiert gelten darf in Hoffmanns Augen, dann muss wohl erst ein konvertierter Imam oder Rechtsgelehrter des Islam höchstpersönlich, die Kritik an der Religion des Friedens in die Hand nehmen.
Außerdem nimmt Hoffmann mit seiner Gegenposition mehr oder weniger gar nicht auf das von ihm gewählte Thema “Die Wirklichkeit ist nicht Schwarz-Weiß” Bezug. Zumindest nicht in der gesamten ersten Hälfte seiner Replik. Dort beschränkt er sich darauf möglichst nicht auf Herres Argumente einzugehen, sondern nimmt sich, wie schon die SZ, die Welt mit Miriam Lau und andere Medien, der Kommentare auf PI an. Natürlich darf da die ominöse Morddrohung, die angeblich im Kommentarbereich von PI einmal zu finden war nicht fehlen. Es ist egal ob die Redaktion bei PI behauptet es gab diesen Kommentar gar nie. Denn selbst wenn dem so wäre, ist das dann wirklich ein stichhaltiges Argument? Ein einziger verwirrter der eine Morddrohung als Kommentar in einem Blog schreibt soll stellvertretend für die gesamte Leser- und Anhängerschaft von PI herhalten? Das finde ich schon reichlich lächerlich und es kommt noch hinzu, dass dieser Kommentar sollte er in dieser Form dagestanden haben, sicherlich gelöscht worden wäre. Auf jedem Dorffest oder Discobesuch bei mir in der Gegend darf ich mir meistens von Türken ganz andere Dinge, vor allem über meine Mutter und den Rest meiner Verwandschaft, anhören. Ganz zu schweigen von der Anzahl der Menschen, die unter Personenschutz leben muss aufgrund von Anhängern der Religion des Friedens. Vielleicht sollte Stefan Herre auch einmal eine Liste der Drohungen gegen ihn aufbieten. Dafür interessiert sich naturgemäß niemand. Und wenn ich dann lese, dass der Tagesspiegel bei “Reizthemen”, wie der verantwortliche Redakteur Debatten über Integration, Islam, etc. nennt, bis zu 70% der Kommentare löscht, dann frage ich mich doch zwei Dinge.
Ist es erstens besser jegliche kritische Meinung aus dem Verkehr zu ziehen, die in der Hitze einer Diskussion natürlich manchmal sehr polemisch und drastisch überspitzt ausfällt? Nach der Argumentation von Herrn Hoffmann scheint dies der richtige Weg zu sein. Würde man zweitens den Tagesspiegel auch dermaßen anfeinden und verteufeln wie PI, wenn dort noch Wert auf die Meinungsfreiheit gelegt würde und nicht 70% der Kommentare im virtuellen Nirvana verschwinden würden? Natürlich nicht. Denn wenn man nur wenige bis gar keine inhaltlichen Argumente zu den eigentlichen Beiträgen von PI hat, dann muss sich die Hälfte einer Gegenposition eben auf andere Dinge beziehen oder man schreibt erst einmal mehrere Absätze philosophische Abhandlungen darüber, ob es sich überhaupt lohnt eine Gegenposition zu schreiben. Diese inhaltlosen Belanglosigkeiten wiederum beziehen sich aber auch wieder nur auf die Kommentare bei PI. Man dreht sich also ein wenig im Kreis, wie ich finde.
Nachdem ich mich also enttäuscht durch die erste Hälfte dieser unglaublich entwaffnenden, wenn auch gut formulierten, Gegenposition gelesen habe, kamen dann doch noch echte Argumente zum Vorschein. Die sehen dann so aus:
Stattdessen gibt es auf Sachebene einiges geradezurücken: Sind Kopftuchträgerinnen rückschrittlich und unterwürfig? Im Gegenteil: Wie die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer großangelegten Befragung ermittelte, finden 94 Prozent von ihnen, Frauen sollten in der Partnerschaft ihre beruflichen Wünsche verwirklichen können. Die gebärschwachen Deutschen werden von den angeblich unendlich gebärfreudigen Musliminnen beim Kinderwunsch noch unterboten. Und die strenggläubigen Musliminnen zeigen sich doppelt so karriereorientiert wie die Gesamtheit deutscher Frauen. [16] Gibt es in deutschen Schulen wirklich massenhaft Probleme, weil viele muslismische Schülerinnen den Schwimm-, Sport- und Sexualkundeunterricht boykottieren? Die „Zeit“ kehrte bundesweit das unterste zuoberst und fand nichts als ein paar Einzelfälle, worauf sie das Fazit zog: „Die These vom breiten Unterrichtsboykott muslimischer Eltern scheint nicht haltbar. Von einer Kapitulation vor dem wachsenden Islamismus kann keine Rede sein.“ [17] Sind mittlerweile fast alle Terroristen Muslime, wie es häufig heißt? Ein weiterer Irrtum: Europol zufolge hatte nur eines der 500 im vergangenen Jahr dort registrierten Attentate einen islamistischen Hintergrund – der vereitelte Kofferbombenanschlag in Deutschland. [18] Sind Muslime eher freiheitsfeindlich eingestellt? Das amerikanische Gallup-Institut ließ mehr als 80 Prozent der muslimischen Weltbevölkerung befragen und erfuhr so, dass dort die westlichen Ideale von Rede- und Versammlungsfreiheit geschätzt und bewundert werden. [19] Wird Deutschland in ein paar Jahrzehnten mehrheitlich islamisch sein, wie Stefan Herre in eigentümlich frei suggerierte? Das wäre nur der Fall, wenn man frühere Entwicklungen exponentiell in die Zukunft rechnen würde – tatsächlich aber haben sich sowohl die Geburten- als auch die Zuwanderungsraten der Muslime in den letzten Jahren stark abgeschwächt, so dass Muslime wohl weiter eine Minderheit bleiben werden: um 2030 herum etwa ein Zehntel der deutschen Bevölkerung. [20]
Auch extrem absurde Behauptungen werden von den „Islamkritikern“ gerne verbreitet. So berichtet Ulfkotte, dass Fundamentalisten die Gipfelkreuze durch Halbmonde ersetzen lassen wollen, weil die Kreuze als „Herrschaftszeichen des Christentums“ eine Beleidigung des Islams darstellten. Iin Wahrheit steckte hinter dieser Forderung eine Wiener Künstlergruppe mit dem bezeichnenden Namen „Haben wir denn keine andere Sorgen“. [21] Von Ulfkottes Behauptung, Muslime spuckten in Metzgereien aufs Schweinfleisch, hat der Deutsche Fleischerverband noch nie etwas gehört und weist darauf hin, dass sich zwischen Fleisch und Kunden eine Glasscheibe befindet [22]. Dass in den USA ein Schüler wegen eines „Hate Crimes“ angezeigt wurde, weil er ein Schinkenbrot aß, während Muslime am Tisch saßen, wird auf den Seiten von Politically Incorrect behandelt, als sei es real geschehen [23], stammt aber in Wahrheit aus einer Parodie. [24] Und Henryk M. Broder zufolge werden in Großbritannien Sparschweine aus den Banken geräumt, weil sie die religiösen Gefühle der Muslime verletzen könnten. Zwar gab es hier tatsächlich eine Meldung über zwei britische Banken dieser Art, aber das war eine Zeitungsente: Die eine der beiden Banken benutzt weiterhin Sparschweine, die andere schon seit Jahren keine mehr. [25] 1
Geschenkt Herr Hoffmann. Bei einigen Beispielen kann es sehr gut sein dass sie Recht haben. Nur geht die größte Gefahr nicht vom angeblichen Verschwinden von Sparschweinen aus Bankfilialen oder auf Schweinefleisch spuckenden Muslimen aus. Und das sind auch nicht die Eckpfeiler der Argumentation und Positionen von PI oder anderen Islamkritikern. Des weiteren sei eins an dieser Stelle gegen die wirklich gewichtigen Argumente von Arne Hoffmann gesagt. Sowohl zum Tragen des Kopftuches als auch zur Bevölkerungsentwicklung gibt es sehr unterschiedliche Statistiken. Unter anderem in dem von Hoffmann selbst erwähnten Buch “Tödliche Toleranz” (welches als Beispiel für eine sinnvolle Islamkritik aufgeführt wird) spricht der Autor von ganz anderen Zahlen, die Herres Position unterstützen. Damit sind diese Argumente schon mal mehr als streitbar. Und die wirklich wichtigen Punkte wie die brutale Gefahr einer totalitären Weltanschauung, einer politischen indoktrinierenden Religion in Form des Islam, darauf liefert dieser Artikel schlicht und einfach keine Gegenposition. Es gibt keine inhaltliche Auseinandersetzung. Und wenn es Muslimen nach Terroranschlägen nicht zumutbar ist, sich in Form von deutlichem Protest Gehör zu verschaffen, dann weiß ich ehrlich gesagt auch nicht mehr weiter. Was ist muslimischen Menschen denn überhaupt noch zumutbar, wenn nicht einmal das?
Schließlich der im Anschluss an Hoffmanns Gegenposition erschienene Artikel Information als Angebot. Diesen würde ich so unterschreiben. Entwaffnend wie Herre ohne großes Geplänkel dazu aufruft sich schlicht sein eigenes Bild von PI und dem dortigen Informationsangebot zu machen. Im folgenden Kommentar von Arne Hoffmann kommt dann unter anderem das Argument schlechthin: Wenn sich alle Verteidiger und Unterstützer von PI zurückziehen, dann müsse man sich überlegen was da falsch läuft. Diese Logik gilt vielleicht für den Mainstream. Aber gerade gegen selbigen bezieht PI doch Position. Gerade Broder schießt in letzter Zeit einen Bock nach dem anderen. Daraus zu schließen PI müsse sich ändern kann man getrost als hanebüchen bezeichnen. Man muss eher sagen PI bleibt seiner Linie treu, egal wie man zu dieser steht.
Mein Fazit zu dem ganzen Hin und Her: Wieder einmal zeigt sich deutlich, dass Befürworter des Islam eine inhaltliche Diskussion fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Ich bin wirklich gespannt wann der erste Islambefürworter Farbe bekennt und anfängt klipp und klar auf die geschichtliche Entwicklung und aktuelle Situation auf der einen, als auch die inhaltlich fragwürdigen Elemente des Islam auf der anderen Seite, die ihn m.E. zu einer totalitären Weltanschauung machen, einzugehen. Ich denke aber, dass man auf diesen Tag noch lange warten kann.
PI würde es nebenbei gesagt aber gut stehen wenn hirnrissige Kommentare à la “Alles Ziegenficker diese Musels” etc. gar nicht erst erscheinen, da solche Ergüsse zum einen nichts aussagen, eine Diskussion nicht voranbringen und, natürlich ungerechtfertigterweise, Angriffsfläche bieten auf die man gut verzichten kann. Der Meinungsfreiheit tut dies keinen Abbruch, das Niveau steigt meist jedoch sofort exponentiell.
Update:
Zum Thema Bevölkerungsentwicklung habe ich hier noch etwas interessantes gefunden.
- s. ef-Magazin - Politically Incorrect: Die Wirklichkeit ist nicht Schwarz-Weiß [←]








