Der Fall Mügeln
23. August 2007 | Von tio85 | Kategorie: DeutschlandWieso fühle ich mich beim Fall Mügeln nur an die Vorgeschichte des Fall Ermyas Mulugeta erinnert? Kein Mensch weiß was eigentlich genau vorgefallen ist aber die Journaille wütet mit Vermutungen, Halbwissen des Hergangs und Vorverurteilungen wie die sprichwörtliche Axt im Walde. Das einzige was bisher feststeht sind folgende Fakten.
In fast allen Medien, über das Fernsehen, angefangen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern mit der Tagesschau bis zu Perlen der schlechten Berichterstattung wie den Nachrichten bei RTL2, den Internetangeboten von Spiegel, FAZ und wie sie alle heißen sowie den Printmedien, wird von einer “Hetzjagd” durch die ganze Stadt Mügeln vom Platz des Dorffestes bis hin zur Pizzeria “Picobella” gesprochen in der die Inder sich verschanzt haben. Wer Mügeln nicht kennt wird logischerweise denken, dass diese Strecke bestimmt mehrere Kilometer betragen muss, so hört es sich meiner Meinung nach zumindest an. Mügeln hat aber nur 5000 Einwohner und ist daher eher als Dorf zu bezeichnen. Die Strecke vom Markt, wo laut Homepage der Stadt Mügeln das besagte Altsatdtfest jährlich stattfindet, bis zur Pizzeria beträgt lediglich 300 Meter laut Google Maps. Von einer Hetzjagd durch die ganze Stadt kann also selbst bei einem kleinen Dorf wie Mügeln keine Rede sein. (siehe Screenshot von Google Maps)
Auch der Polizeisprecher von Mügeln Herr Reinhard Böttcher bestätigt meine Ansicht in einem Artikel des Tagesspiegels:
“In Folge der Tätlichkeiten flüchteten die Inder in die nahe Pizzeria ‚Piccolo. Etwa 50 Deutsche und viele Schaulustige folgten ihnen. ‚Von einer Hetz-Jagd durch die Stadt kann aber nicht die Rede sein, widersprach Böttcher anderslautenden Meldungen. Pizzeria und Festzelt lägen dicht beieinander.” 1
Ein weiterer Fakt ist, dass kein Mensch der nicht im Festzelt am besagten Abend dabei war wissen kann was sich wirklich dort zugetragen hat und wie es zu der Massenschlägerei kam. Die einzige Quelle (Leipziger Volkszeitung), die ich bis jetzt gefunden habe in der Zeugen befragt wurden, die tatsächlich im Festzelt dabei waren, wird im HitTV.eu-Blog zitiert.
„Ronny Kunze aus Wermsdorf hat die Ereignisse beobachtet und wurde selbst verletzt. Ein älterer Festbesucher sei von einem indischen Gast geschubst worden. Daraufhin sei in dem vollen Festzelt Unruhe entstanden. ‚Es hat sich ein Kreis um die Inder gebildet;. Diese hätten daraufhin Glasflaschen zerschlagen und seien damit in Abwehrhaltung gegangen. Dann seien vier oder fünf Leute auf die Eingekreisten losgegangen. Daraufhin hätten diese mit den Flaschen um sich geworfen. Eine der Karaffen traf Ronny Kunze, der Schnittverletzungen am Kopf davontrug. Der 23-jährige mußte im Krankenhaus behandelt werden und hat gestern Anzeige wegen Körperverletzung gestellt. Sie habe beobachtet, wie drei Inder einen Deutschen traktiert hätten, sagt Festbesucherin Friederike Friede aus Oschatz. Was den ersten Auseinandersetzungen folgte, sei nichts Geplantes gewesen. „Das hat sich hochgeschaukelt, so viel Gewalt habe ich noch nie gesehen.“ 2
Auch dies unterstreicht meine Ansicht, dass man lieber warten sollte bis alle Zeugen befragt wurden und man schlussendlich mit Sicherheit nachvollziehen kann was sich tatsächlich ereignet hat anstatt gleich wieder eine “Hetzjagd” nach Rechtsextremen wie in den Medien zu veranstalten. Den selbst ein fremdenfeindliches Motiv ist noch nicht 100% sicher wie die Leipziger Volkszeitung weiter berichtet.
„Wer hat wen provoziert, wer hat wen zuerst verletzt? Was der Auseinandersetzung vorausgegangen war, ist noch nicht ganz klar. Die Polizei will einen rechtsradikalen Hintergrund zwar nicht ganz ausschließen. Gestern verdichteten sich aber die Zeichen, daß es sich bei dem Vorfall in Mügeln vielleicht doch eher um eine eskalierte Rangelei gehandelt hat.“ 2
Die mediale Effekthascherei bei vermeintlichen rechtsextremen Straftaten finde ich in jedem Fall sehr bedenklich, kommt sich doch wie schon erwähnt einer Vorverurteilung der vermeintlichen Täter gleich, die allein von der Presse bestimmt werden. Des weiteren wird in den Medien zu einem großen Teil verschwiegen, dass einer der Inder per Haftbefehl gesucht wird. Dies würde der bewussten Inszenierung der Presse, die Inder seien die alleinigen Opfer in diesem Fall schließlich zuwider laufen. Immerhin wurden 14 Menschen verletzt, gezeigt werden aber durch die Bank nur die Verletzungen der Inder. Wenn sich die Zeugenaussagen nun bewahrheiten, dann kann man das auch getrost als bewusste Desinformation und populistische Meinungsmache bezeichnen. Von neutraler und unvoreingenommener Berichterstattung kann also keine Rede sein. Und ich sage nicht, dass man rechte Gewalt nicht mit aller Härte verurteilen sollte. Aber erst wenn alle Fakten bekannt sind und man sicher ist, dass der/die Täter tatsächlich Rechtsextreme sind und nicht vielleicht auch ein Haufen Betrunkener sein könnten, die bei einer Massenschlägerei mitgemischt haben. Denn liebe linke Journaille: Die Unschuldsvermutung gilt in diesem Lande (noch) für Jedermann! (Wenigstens der vermeintlichen Täter noch nicht bekannt, so dass deren Ruf nicht wie im Falle Mulugeta komplett in den Schmutz gezogen wird…)
Verschärfend kommt (wie immer) hinzu, dass dieses Schmierentheater noch durch mediengeile Politiker vorangetrieben wird, von denen jeder der Erste sein möchte, der seine Empörung ausdrückt und sein Gesicht in eine Kamera halten kann und mit erhobenem Zeigefinger ein schärferes Vorgehen im Kampf gegen rechte Gewalt fordert. Es ist ja nicht so, dass die Rechtsmittel nicht da sind und sie kommen meines Wissens nach gerade bei rechter Gewalt voll und ganz zum Zuge. Wünschenswert wäre es wenn von allen Seiten etwas besonnener an die ganze Thematik über Rechtsextremismus herangehen würden und man erst einmal die Untersuchungen abwartet und alle Fakten gegeneinander abwägt. Dann kann man immer noch durchgreifen und Nägel mit Köpfen machen.
Passend dazu eine Wiedenroth Karikatur par excellence. :-)
Update:
- Sehr guter Artikel in der FAZ: Immer feste drauf
- Via PI ein weiterer Mann der den Mut hat gegen den Strom zu schwimmen: Schlägerei in Mügeln: Theologe gegen Vorverurteilung
- Bei Fakten Fiktionen auch gleich zwei lesenswerte Beiträge: Statistik: Gewalt von Rechts, Inder erkundigen sich über deutsche No-Go-Areas
- Bei Gegenstimme: Neues zur Hetzjagd
- Und andere Gewaltverbrechen erscheinen erst gar nicht bei den großen Medien wie der Düsseldorfer Blog zu berichten weiß: Zweierlei Maß
- s. Tagesspiegel vom 21.08.07 [←]
- s. HitTV.eu-Blog - Rechtsradikaler Übergriff in Mügeln - Die Wahrheit hinter der Story [←] [←]









Gutes Überblicksposting zu Mügeln:
http://www.classless.org/2007/08/20/der-kleine-volksaufstand-von-mugeln/
Durch den Eintag in meinem Blog habe ich diese Seite entdeckt und ich bin froh, dass es noch andere Leute gibt, die nicht mit Scheuklappen durch die Welt laufen.
Als Journalist bin ich Fakten verpflichtet. Diese sollte ein seriöser Journalist ermitteln und verifizieren. Ebenso sollte eine Berichterstattung auch ein Pro und Contra enthalten sein, das sich der Leser/Zuschauer ein reales Bild machen kann.
Wie hier erwähnt, und ebenso in meinem Blog, vermisse ich diese Einhaltung von journalistischen Grundsätzen bei den meisten Berichterstattungen zu diesem Thema. In meinem Blog werde ich aber wegen dieser Grundhaltung schon als “Rechtsextrem” bezeichnet.
Wenn es bedeutet Rechtsextrem zu sein, wenn man Fakten auf den Tisch legt und nicht sofort in den allgemeinen Chorus einzustimmen, dann ist es mit dem Recht auf freie Journalistische Meinungsäußerung ja schon weit gediehen. Es erinnert mich schon sehr an die Zustände in der DDR, wo man auch nur eine Meinung haben durfte.
Ich habe mich damals dagegen gewehrt und werde mich auch heute dagegen wehren.
Lieber bearbeite ich eine Story gar nicht, als dass ich sie so oberflächlich und einseitig ausgerichtet aufarbeite, wie bei den meisten Medien in den letzten Tagen gesehen. Diese Art der Berichterstattung wird es bei http://www.hit-tv.eu definitiv nicht geben.
Ich wünsche den Einwohnern und und vor allem dem Bürgermeister alles Gute und dass sie diese Medienhetzkampagne gut überstehen. Ich kenne viele Städtchen und Dörfer wie Mügeln, wo ehrliche und friedliche (und wahrlich keine rechtsextermen) Menschen wohnen aber wo jedoch das Hochspielen einer Volksfestschlägerei eine gleiche Auswirkung haben könnte.
Ich stimmte Ihnen voll und ganz zu. Vor allem finde ich es beschämend, dass pauschal der Ganze Osten bzw. seine Jugend als rechtsextrem dargestellt wird. Einen plumperen Populismus bzw. eine dermaßen hanebüchene Pauschalisierung sucht derzeit ihres Gleichen.
Ich empfehle Ihnen auch diesen Beitrag. Lesenswert und einfach wahr.
Beste Grüße
Wer hat die Schlägerei begonnen?
Was sich in der Tatnacht in Mügeln tatsächlich zugetragen hat, ist immer noch unklar. Eine Sonderkommission aus 26 Polizeibeamten ermittelt. Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, müssen auch die acht Inder damit rechnen, verhört zu werden. Es gebe Zeugenaussagen, wonach sie die Schlägerei angefangen und Menschen mit Flaschen oder Messern verletzt hätten. Auch das Nachrichtenmagazin Focus (München) schreibt unter Berufung auf Polizeikreise, möglicherweise werde „der Fall Mügeln einen etwas anderen Verlauf als bisher nehmen“. So habe es Zeugenaussagen zufolge zunächst einen Streit zwischen einem Deutschen und den Indern gegeben. Diese hätten ihn immer wieder angerempelt, weil er mit einem Mann tanzte. Nach Verlassen des Zeltes sei er von den Indern verprügelt worden. Daran habe sich die Massenschlägerei entzündet, die mit der Flucht der Inder in die nicht weit entfernte Pizzeria endete.
Aus “Idea”