Neues Buch - Allah & Eva von Betsy Udink
29. Juli 2007 | Von tio85 | Kategorie: IslamEs gibt ein neues Buch welches sich sehr vielversprechend anhört und welches man jedem Gutmenschen zu Weihnachten schenken sollte: Allah & Eva von Betsy Udink. Die Autorin beschreibt dort was es für eine Frau bedeutet in Pakistan zu leben unter dem islamischen Recht, der Scharia. Dazu ein Artikel in der Welt:
Der Sex-Trieb des Mannes als Maß aller Dinge
Die “islamische Republik” Pakistan ist nach Recherchen von Betsy Udink die Hölle auf Erden. Vor allem für die Frauen. Sie können nach der Scharia verheiratet, verstoßen und vergewaltigt werden. Aber auch die “Knabenliebe” wird praktiziert. Sex ist in dieser Gesellschaft eine nationale Zwangsvorstellung.
„Ich habe die Hölle geschaut, und siehe, die meisten Bewohner waren Frauen!“, Hadith aus dem Leben Mohammeds
Die gute Nachricht zuerst: dieses Buch hat ein Happy End. Aber leider nur für die Autorin und ihre Tochter Sophie, der es gewidmet ist. Sie konnte nach drei Jahren mit ihrer Familie Pakistan verlassen und lebt jetzt in der Türkei. Dass sie dieses Buch schreiben konnte, verdankt sie dem Umstand, dass sie die Ehefrau eines niederländischen Diplomaten ist. Wir können deshalb einen Blick in eine unfassbar schreckliche und völlig unbekannte islamische Welt werfen.
Jetzt die schlechte Nachricht: Sie werden nach der Lektüre schlecht schlafen und ein Gefühl ohnmächtiger Wut empfinden. Nein, es handelt sich nicht um einen Thriller oder ein Buch, das „spannend wie ein Krimi“ ist. Es ist ein Sachbuch. Auf seinem Cover müsste eigentlich eine Warnung ähnlich wie bei Zigarettenpackungen stehen: „Dieses Buch kann Ihre Seele gefährden“.
Ein Land, in dem kaum einer stricken kann
Es ist der Bericht einer langen genauen Recherche von Betsy Udink über die Lage der Frauen (und auch der Männer) und den Islam in Pakistan. Er hat im niederländischen Original wie im Deutschen den harmlos klingenden Titel „Allah & Eva“. Aber was die Autorin zu berichten hat, ist alles andere als exotische Betroffenheitsliteratur oder religiöses Sentiment.
1947 wurden Indien, Pakistan und Bangladesch nach 100jähriger Kolonialherrschaft Großbritanniens unabhängig. 1956 erklärte sich Pakistan zur ersten „islamischen Republik“ der Welt. Es ist doppelt so groß wie die Bundesrepublik; etwa 166 Millionen Menschen leben dort unter dem islamischen Recht, der Scharia. Betsy Udink bereist das Land von Karachi im Süden her bis in den Norden, ist fasziniert von der Üppigkeit der Natur, fährt Ski in Malam Jabba, wo die Kinder in der Kälte Plastikhemden tragen – in einem Land, wo, wie sie lakonisch bemerkt , „Millionen von Schafen und Ziegen gehalten werden, aber kein Mensch stricken kann“.
Aber sie berichtet nur nebenbei von den kleinen Sorgen einer Diplomatengattin, die das frische, mit Pestiziden voll gepumpte Obst abkochen muss – oder warum an bestimmten islamischen Feiertagen das Soziusfahren auf Mopeds verboten ist. Sie geht dort hin, wo dieses „Land der Reinen“, wie Pakistan auf Urdu heißt, sein Wesen zeigt.
Frauen in dreckigen Gefängnissen
In Peschawar, an der Grenze zu Afghanistan, besucht sie ein Gefängnis, eine stinkend voll gestopfte Baracke, in der über 70 Frauen festgehalten werden, weil man sie der „Zina“, des Ehebruchs, beschuldigt. Genauer, weil ihre Männer sie des Ehebruchs anklagen. Sie spricht mit Gulnaz, die als Kind Frau eines Schusters wurde, drei Kinder bekam und von ihm verstoßen wurde. Er sagte dreimal: „Ich verstoße dich“ und warf sie aus dem Haus.
Die Verstoßene wurde sogleich von ihrer Familie mit einem anderen Mann verheiratet. Sie bekam von ihm ein weiteres Kind, und als der Schuster dies erfuhr, fühlte er sich in der Ehre verletzt und klagte Gulnaz des Ehebruchs an, weil die Scheidung nicht bei der Gemeinde registriert war. Gulnaz, die weder lesen noch schreiben kann, wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Wenn sie in drei Jahren entlassen wird, ist sie schon so gut wie tot.
Das pakistanische Familien- und Ehestandrecht gründet vollständig auf der Scharia. Der Fortschritt, den Diktator Zia-al Haq 1979 gegenüber der archaischen Tradition der Muslime in Medina einführte, besteht einzig darin, dass die Frauen nicht mehr par ordre de moufti gesteinigt und ausgepeitscht werden, sondern vor Gericht kommen und ins von den Briten gebaute Gefängnis gesperrt werden.
Vom eigenen Großvater ermordet
Die Autorin beschreibt an weiteren Fällen, wie das Klima gegenüber Frauen in Pakistan „hasserfüllt und diskriminierend“ ist. Besonders deutlich wird dies anhand der Praxis des „Karo-kari“. Es ist ein Begriff aus der Provinz Sindh und bezeichnet die Tatsache des sogenannten Ehrenmords. Sie schildert folgenden Fall, der sich zunächst wie die Geschichte von „Romeo und Julia“ liest: Afsheen, eine Studentin aus einer bekannten Anwaltsfamilie, verliebt sich in Hassan, einen Großcousin.
Sie möchten heiraten. Ihre Familie ist dagegen, weil der junge Mann einem konkurrierenden Clan angehört. Der Großvater bestimmt, dass sie seinen Enkel, einen Piloten, heiratet. Die Ehe geht nach wenigen Tagen schief. Der Großvater hatte aber bereits einen neuen Ehemann für sie ausgesucht. Sie flieht mit Hassan, wird aber aufgespürt, und der Familienrat beschließt, dass sie sterben muss, weil das verliebte Mädchen die Ehre des Clan verletzt und damit das Eigentum der Männer beschädigt hat.
So weit, so schrecklich. Aber was dann passiert, ist unfassbar. „Ein richtiger Mann schlachtet die ungehorsame Frau in seiner Familie selbst, wie ein richtiger Mann auch am Morgen des Id ul-adha, des islamische Opferfestes, eine Ziege ein Kamel oder einen Ochsen schlachtet. Das lässt man keinen Metzger machen, das Blut muss über den Fußboden der eigenen Küche … fließen“, schreibt die Autorin. Afsheen wurde vom Großvater und seinen Söhnen ermordet. Ihre Leiche wurde, wie bei Karo-Karis üblich, verscharrt.
Blasphemie-Gesetze von 1985
Obwohl der Fall landesweites Aufsehen erregte und sich sogar Präsident Musharraf einschaltete, verliefen die Ermittlungen im Sande, Niemand wurde zur Verantwortung gezogen. Auch, weil der Vater des Opfers seinem Vater verziehen hat. Nur er wäre in der Lage, Blutgeld, oder Vergeltung zu fordern. Der Staat kann durch das islamische Gesetz nicht als Ankläger auftreten.
Mord an Angehörigen ist in diesem Land eine Familienangelegenheit. Wird tatsächlich jemand angeklagt, fällt die Strafe milde aus: ein, zwei Monate Gefängnis. Immer wird als legitim und strafmildernd begründet: Ein Mann, der durch „Zina“ gekränkt und beschämt wurde, könne seine Wut nicht im Zaum halten. Der Mann ist also eine tickende Zeitbombe. Der pakistanische Minister für Landwirtschaft und Ernährung erklärte im Parlament, als ein Antrag gegen Ehrenmorde beraten wurde: „Karo-kari ist eine gute Tradition unseres Landes, und sie löst sehr schnell soziale Spannungen.“
Vor dem Terror dieser Kultur sind aber auch Gotteslästerer, Andersgläubige und Christen nicht sicher. Vor allem seit es die Blasphemie-Gesetze gibt. Sie wurden von Zia al-Huq seit 1985 eingeführt und weder von Benazir Bhutto noch von General Musharraf abgeschafft oder geändert. Sie bedrohen jeden mit dem Tode, der den Namen des Propheten oder den Koran befleckt.
Sex als nationale Zwangsvorstellung
Das Gesetz hat sich in der Folge zu einem Terrorgesetz entwickelt, mit dem jeder und alles verleumdet werden kann, und ist zu einer Waffe der „Rechtgläubigen“ geworden. So wird im Namen des Propheten nicht nur Terror gegen Christen ausgeübt, es bekriegen sich auch Schiiten und Sunniten. Die Autorin klagt nicht an, stellt aber fest, dass die kleinen christlichen Organisationen als einzige in diesem Land so etwas wie Nächstenliebe praktizieren – und dafür extrem angefeindet werden.
Der „erste islamische Staat“ der Welt ist, liest man den Bericht der holländischen Beobachterin, die Hölle auf Erden – vor allem für Frauen. Es ist ein Regime, in dem die „Apartheid der Geschlechter“ herrscht, das sich auf Koran und Hadithe beruft und in einem ungeheuren Maße sexualisiert ist. Der triebhafte Mann ist das Maß aller Dinge, ihm wird alles untergeordnet, er ist nicht in der Lage, sich zu beherrschen, ihm wird alles verziehen, wenn er sich nicht mindesten einmal am Tag „entleeren“ kann.
Udink schreibt: „Sex ist die nationale Zwangsvorstellung der pakistanischen Gesellschaft.“ Und dies beschreibt sie nicht als Phänomen der verarmten Massen, sondern als Leitkultur. Da der Zugang zu Frauen durch den Ehrbegriff und die Kontrolle der Familien eingeschränkt ist, der Islam die Familienplanung „als westliche Verschwörung gegen den Islam“ ablehnt, sucht sich der männliche Trieb andere Wege.
Der Islam als Tradition und Terror
Udink berichtet über SAHIL, eine Organisation zum Schutz vor sexuellen Missbrauch von Jungen. Die unverbesserlichsten Knabenvergewaltiger sind danach die Polizisten. Es sei an der Tagesordnung, dass Polizisten zu einer staatlichen Schule oder zu einer Koranschule gingen, sich einen 10 oder 12-jährigen Jungen ausliehen und vergewaltigten. Auch Lehrer seien unter den Vergewaltigern.
Im September 2002 schnitt ein Koranlehrer einem seiner Schüler die Zunge ab, weil der sich weigerte, sich weiterhin von ihm missbrauchen zu lassen. Homosexualität ist im Islam geächtet, „Knabenliebe“ aber spätestens seit den Zeiten Harun-al-Rashids eine Leidenschaft muslimischer Männer, und in Pakistan hat sich eine besondere bizarre Bigotterie entwickelt: die der Hijras. Es sind Kastraten, sie kleiden und schminken sich wie Frauen, leben wie Parias in eigenen Kolonien und verdienen ihr Geld als „Glücksbringer“ auf Hochzeiten, mit Tanz und Prostitution.
Worüber Betsy Udink nicht schreibt, ist der Kolonialismus. Und dafür bin ich ihr dankbar. Sie schildert das Land, wie sie es angetroffen hat, fragt nach, womit die Menschen ihr Verhalten begründen, auf welche Traditionen sie sich berufen, woran sie glauben. Es stellt sich heraus, dass der Islam wie er in Pakistan gelebt wird, weit entfernt davon ist, eine spirituelle Angelegenheit zu sein. Er ist Tradition – und Terror.
Scharia bestimmt das Leben
Das Land ist in den über fünfzig Jahren seiner Geschichte nicht zu einem Gemeinwesen geworden, immer noch herrschen Feudalherren und Patriarchen, das islamische Gesetz der Scharia bestimmt das Leben, Korruption und Willkür werden dieses Land früher oder später in den Abgrund führen, wenn es nicht schon längst – wie die Vorgänge um die „rote Moschee“ uns kurz vor Augen geführt haben – dort angekommen ist.
SchlagworteBetsy Udink, der man für diesen grandiosen, aber unendlich deprimierenden Bericht nur danken kann, fragt den katholischen Bischof von Mutlan, Dr. Andrew Francis, wie er die Lage des Landes sehe. Er antwortete: „Die Menschen hier gehen miteinander um wie die Bestien. Sie stehen nicht einmal am Anfang der Zivilisation.“ 1
Das Buch kann man bspw. bei Amazon kaufen. Wer weitere Beispiele sucht für die UnMenschlichkeit der Scharia, der sollte mal auf einen der folgenden Seiten vorbeischauen. Aber wer einen schwachen Magen hat der sollte sich es noch mal überlegen auf diesen Seiten vorbeizuschauen - die Bilder/Videos, die dort zu sehen sind, sind nicht gerade für Menschen mit schwachem Magen.
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Update:
Auch in der FAZ gibt es einen gelungenen Artikel zu diesem Buch.
Religiöser Stalinismus
Betsy Udink über Pakistan, das tödlichste Land für Frauen
Gerade noch beherrschte der Sturm auf die Rote Moschee in Islamabad die Titelseiten. Doch schon sind die Nachrichten über das “Land der Reinen”, die nach ihrem Selbstverständnis ideale islamische Gesellschaft Pakistans, auf die Innenseiten gewandert. Zwanzig Prozent der Sitze im pakistanischen Parlament sind für Frauen reserviert. Doch was die Regierung als Reform verkauft, ist nichts als ein potemkinsches Dorf. Denn die Damen, schreibt die niederländische Journalistin Betsy Udink in ihrem Buch “Allah & Eva”, vertreten nicht die unmündigen, geschundenen Frauen Pakistans. Sie sind Platzhalterinnen für ihre Brüder, Onkel, Väter und Ehemänner, stammen aus der Oberschicht der Industriellen und Großgrundbesitzer; die Männer, nicht sie, waren auf Wahlkampftour gegangen. Und vor allem die Frauen der Islamisten wurden einfach zu Abgeordneten ernannt, obwohl sie selbst - weil das unislamisch ist - nicht gewählt haben. Kein einziges der skandalösen Scharia-Gesetze wollten sie bisher aus Verfassung und Rechtsprechung streichen, dafür laden sie gern die Welt zu Konferenzen ein. Und die Welt lässt sich dort ein Pakistan vorgaukeln, das es in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Betsy Udink zieht die Schleier weg vor dieser “geheuchelten Aufklärung” und führt ihre Leser in die Provinz, in die Welt der Dörfer und Kleinstädte, wo Kinderbräute sechzigjährigen Männern gegeben werden, als Schuldenerlass des Großvaters oder als Schadenersatz für Nachbars versehentlich getöteten Hund. Wo mittellose Väter ihre Töchter zur Prostitution zwingen und diese, wenn sie sich weigern, wegen Ungehorsam und Verdienstausfall ins Gefängnis kommen. Sie beschreibt ein Land, von dem wir gern glauben wollen, es modernisiere sich irgendwie doch. Nur sterben dort Tausende Frauen wegen der Hudud-Verordnungen, die auf dem Koran basieren, in Gefängnissen vor sich hin, sind ohne Anwalt, oft auch ohne Urteil der Willkür einer brutalen islamischen Männergesellschaft ausgeliefert.
Auch in Pakistan werden nicht alle Ehrenmorde bekannt, aber schon jene, deren Opfer einen Namen haben, weil sie es in die Lokalnachrichten geschafft haben, füllen eine dicke Recherchemappe der Autorin. Sie würden zur Kenntnis und hingenommen, so Udink, wie bei uns die kleinen Meldungen über Verkehrsunfälle. “Pakistan ist für Frauen das tödlichste Land der Welt”, sagt Betsy Udink, die mit ihren Kindern und ihrem Mann, einem Diplomaten, Jahrzehnte in islamischen Ländern gelebt und gearbeitet hat. Nirgendwo sonst sterben so viele jung, haben insgesamt ein geringeres Lebensalter zu erwarten als Männer: Folgen der eklatanten Frauendiskriminierung.
Nach Angaben von Zeba Sathar, Pakistans führender Demographin, hat das Land aus diesem Grund bereits ein Defizit von mindestens acht Millionen Frauen. Nur 29 Prozent können lesen und schreiben (57 Prozent der Männer), Mädchen und Frauen werden schlechter ernährt, sie sind zu oft und zu früh immerzu schwanger, sie werden als Letzte, wenn überhaupt, zum Arzt gebracht. Wenig, vielleicht nichts hat sich für Frauen in Pakistan verbessert, seit General Musharraf an der Macht ist. Er hat die Hudud-Dekrete des fundamentalistischen Militärdiktators Zia-ul-Haq, die drakonische Strafen vorsehen für Frauen, denen Untreue oder Unsittlichkeit vorgeworfen wird, nicht angerührt. Es reicht der Verdacht, die Denunziation, um sie Scharia-Gesetzen auszuliefern. Betsy Udink ist es gelungen, ein Frauengefängnis in Peshawar zu besuchen, und die Fälle, die sie wiedergibt, berichten von Katastrophen, erzeugt von einem allgegenwärtigen Klima des Frauen-Hasses.
Es sei denn, Frauen verbünden sich mit den mächtigen Männern und bejubeln die Hudud-Gesetze als Schutz der “Ehre und Würde der Frau”. Alles, was diese bizarre Jubelkulisse gesichtsloser Mutterkreuzler stören könnte, wird ausgeblendet. Doch die “Apartheid der Geschlechter” erzeuge Schatten, sagt Udink, zu denen auch der massenhafte sexuelle Missbrauch von Jungen gehört. Natürlich sei das verboten im Islam, aber es ist der einzige Sex, an den Männer ohne Probleme herankommen. Es gibt Organisationen und liberale Zeitungen, die das immer wieder anprangern, sogar im Parlament, doch ändere sich nichts. Kein Täter wurde je belangt, wohl weil zu viele in diesem Land, wo Sex eine “nationale Zwangsvorstellung” ist, in den Missbrauch verwickelt sind. Wer den Mut hat, das anzuprangern - wie ein Vizeminister, der belegen konnte, dass besonders in den Koranschulen der Jungenmissbrauch grassiere -, wird mundtot gemacht und der Abhängigkeit von den Feinden des Islam - Juden, Amerikaner, Hindus, Europäer - verdächtigt. Religiöser Stalinismus.
Neben den Hudud-Dekreten zersetzen vor allem die schariatischen Blasphemiegesetze die pakistanische Gesellschaft. Wer will, der darf sich beleidigt fühlen und den politischen Gegner, den man ausschalten will, der Gotteslästerung bezichtigen. Oder den Nachbarn, dessen Haus, den Händler, dessen Geschäft oder Arbeitsplatz man begehrt. Irrwitzige Anklagen wurden so konstruiert, alle gedeckt vom islamischen Strafrecht. Ein Mann wird beschuldigt, den Bart eines anderen beleidigt zu haben, doch war der nach den Vorschriften Mohammeds geschnitten; eine Putzkraft kam vor Gericht, weil unter den Papierschnipseln, die er entsorgte, auch solche mit Koranversen waren.
Nur zwei muslimische Juristen im ganzen Land wagen es noch, Blasphemieopfer zu verteidigen. Ein Klima der Denunziation im Namen Allahs ist so entstanden, und der Preis, den die Gesellschaft dafür zahlt, ist hoch. Vor fast zehn Jahren erschoss sich ein katholischer Bischof vor dem Gerichtsgebäude in Sahiwal, in dem ein sechsundzwanzigjähriger Analphabet zum Tode verurteilt worden war. Er soll Mohammed “Onkelchen” genannt und Salman Rushdie gelobt haben. Der Freitod des Bischofs sollte die Welt aufrütteln. Aber die Welt schaute weg, und die Zahl der Blasphemieprozesse ist seitdem enorm angestiegen.
Unbestechlich legt Betsy Udink an diese islamische Gesellschaft ein einziges Maß: die Menschenwürde. Es steht dort schlecht um sie. 2
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