Pro Patria

Der Fall Ermyas Mulugeta

16. Juni 2007 | Von tio85 | Kategorie: Deutschland

Der Fall Ermyas Mulugeta ist für mich ein trauriger Höhepunkt was die Manipulation durch die Medienlandschaft angeht und auch ein Tiefpunkt für den Rechtsstaat an sich. Aber der Reihe nach.

Kurz vor der Fußball-WM kam es nach einem Discobesuch zu einer Schlägerei bei der laut Polizei auch eine erhebliche Menge Alkohol im Spiel war. Tragischer Ausgang des Ganzes: Eine Person wird durch einen Schlag so unglücklich am Kopf getroffen, dass ein Schädelbruch die Folge ist, der dazu führt, dass diese Person in ein künstliches Koma versetzt werden muss.

Das ist eine schlimme Sache aber dennoch bis auf die unglückliche Schwere der davon getragenen Verletzung Alltag, wie er in Deutschland jedes Wochenende wahrscheinlich 1000 mal vor Discotheken, Kneipen und anderen Einrichtungen vorkommt. Wie konnte also aus einer einfachen Kneipenschlägerei eine Angelegenheit von nationalem Interesse werden? Die ganze Geschichte spar ich mir an dieser Stelle, denn die FAZ hat den ganzen Ablauf schon perfekt zusammengestellt.

16. April 2006: Gegen 03.30 Uhr steht der 37-jährige Deutsch- Äthiopier Ermyas M. an einer Straßenbahnhaltestelle in Potsdam. Um 03.58 Uhr ruft er seine Frau an, es springt die Mailbox an. Später werden darauf die Stimmen der mutmaßlichen Täter gefunden. Worte wie „Scheißnigger“ fallen.

4.05 Uhr: Ein Taxifahrer hält an, als er nahe der Haltestelle einen Mann liegen sieht und zwei Gestalten, die sich über diesen beugen. Die beiden flüchten. Um 4.08 Uhr trifft der erste Streifenwagen ein. Ermyas M. ist lebensgefährlich verletzt.

17. April: Die Polizei gibt bekannt, dass sie wegen versuchten Mordes ermittelt und spricht von einem fremdenfeindlichen Motiv.

18. April: Generalbundesanwalt Kay Nehm zieht die Ermittlungen an sich.

19. April: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilt den Überfall. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) warnt vor einer voreiligen Festlegung auf das Motiv.

20. April: Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) meldet Zweifel an einem fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat an. Wenig später verkündet die Bundesanwaltschaft die Festnahmen von zwei Männern. Es gebe erhebliche Verdachtsmomente für Ausländerhass und eine rechtsextremistische Gesinnung der Täter, heißt es.

21. April: Der Bundesgerichtshof (BGH) erlässt gegen beide Männer - Björn L. und Thomas M. - Haftbefehle

28. April: Das Opfer schwebt nicht mehr in Lebensgefahr.

23. Mai: Die Haftbefehle werden aufgehoben. Begründung: Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr. Einen Tag später wird Björn L. wieder verhaftet - es soll neue Beweise geben.

26. Mai: Nehm gibt die Ermittlungen an die Potsdamer Staatsanwaltschaft ab.

22. August: Die Staatsanwaltschaft Potsdam erhebt Anklage. Dem Hauptbeschuldigten Björn L. wird unter anderem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, Thomas M. gemeinschaftliche Beleidigung und unterlassene Hilfeleistung.

22. September: Der Haftbefehl gegen Björn L. wird außer Vollzug gesetzt.

7. Februar 2007: Der Prozess gegen die beiden Angeklagten beginnt.

21. März 2007: Ein DNA-Gutachten bringt aus Sicht der Nebenklage keine Beweise für die Täterschaft von Thomas M.

4. Mai 2007: Ein Stimmgutachten des Landeskriminalamtes identifiziert Björn L. nicht eindeutig als Sprecher auf dem Mailbox- Mitschnitt. Es nennt eine untere Wahrscheinlichkeitsstufe.

13. Juni 2007: Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage fordern Freisprüche.

15. Juni 2007: Die 4. Große Strafkammer verkündet Freisprüche für beide Angeklagte.

Letztendlich sind die beiden Männer nun also freigesprochen worden. Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft plädierten für die Freilassung, liest man da. Nun frage ich mich, wie dass den passieren konnte, nachdem Presse und Politiker doch eigentlich im Vorfeld jegliche rechtsstaatliche Errungenschaft untergraben hatten und die angeblichen Täter praktisch schon vorverurteilt hatten. Das Ganze kann man nur als späten Sieg des Rechtsstaates ansehen, denn jeder Mensch ist bekanntlich so lange unschuldig bis das Gegenteil bewiesen ist.

Was mich an der ganzen Geschichte so gestört hat und auch jetzt noch stört ist diese gutmenschenartige Berichterstattung der einschlägigen Medien. Sogar jetzt noch werden die beiden Freigesprochenen in einem fadenscheinigen Licht präsentiert und mit entsprechenden Bemerkungen ihr Ruf geschädigt. Das Opfer, das wahrscheinlich den Streit sogar in stark alkoholisiertem Zustand angefangen hat, mittels eines Fußtrittes, wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln als Unschuldslamm dargestellt. Keiner wahrt die entsprechende Neutralität bei der Berichterstattung, wie es doch gang und gäbe ist wenn mal wieder eine Messerstecherei stattgefunden hat oder eine Schlägerei. Dann nämlich liest man meistens von “den Tätern” aber kein Wort, dass es sich um Immigranten handelt, obwohl die Statistiken zeigen, dass immer mehr jugendliche Intensivtäter ausländischer Herkunft sind.

Schauen wir uns mal das bei Spiegel online verwendete Bild an:

Ermyas Mulugeta

Allein dieses Bild sagt mehr als tausend Worte. Mulugetas Blick nachdenklich nach oben gerichtet, den Zeigefinger an der Lippe. Man kann förmlich im Bild lesen: Dieser Mann würde eher von seinem Apfel ablassen, als der darauf befindlichen Fliege das Mal zu verderben oder ihr gar ein Leid zuzufügen. Die Unschuld in Person wird suggeriert.

Die FAZ schreibt wortwörtlich:

Björn L. und Thomas M. passten ins Bild: Sie trugen kurze Haare, wie Rechtsextreme.

Ich glaub die Lächerlichkeit dieser Aussage kann sich jeder selber ausmalen. Ich weiß nicht wieviele männliche Deutsche einen kurzen Haarschnitt haben aber es dürften allein in Potsdam ein “paar” mehr sein als registrierte bzw. bekannte Rechtsextreme in ganz Deutschland.

Dasselbe Spiel wieder im Spiegel diesmal in einem anderen Bericht:

Die beiden mutmaßlichen Täter: Björn L., 29, und Thomas M., 31, beide aus Potsdam, der eine Gelegenheitstürsteher, der andere Behindertentransportfahrer, kurze Haare, kräftige Gestalten.

Das Thomas M. Behindertentransportfahrer ist, wird dem verantwortlichen Redakteur mit Sicherheit ein Dorn im Auge gewesen sein. Aber man kann offensichtlich nicht alle Tatsachen unter den Tisch fallen lassen.

Bisher habe ich nur eine einzige Quelle gefunden, die von den Provokationen des Opfers im Vorfeld der Auseinandersetzung berichtet. Auf swr.de heißt es:

Auch wollen mehrere Zeugen den Tathergang beobachtet haben: So soll Ermyas M. zwei Männer zuvor angepöbelt und einem von ihnen ins Gesäß getreten haben - doch weder Zeugen noch das Opfer selbst können vor Gericht die Täter zweifelsfrei identifizieren.

Ich will hier keine Zweifel aufkommen lassen, was meine Denke über den eigentlichen Vorfall angeht. Es ist schlimm und sehr bedauerlich, dass Herr Muluget, diese schwere Verletzung erlitten hat. Es ist traurig, dass er rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt war. Tatsache bleibt aber, dass er selbst stark angetrunken war, laut mehreren Zeugenaussagen, den Streit per Fußtritt provoziert hat und anschließend nicht bestialisch verprügelt wurde, sonder durch einen einzigen Schlag, den die meisten Angegriffenen getätigt hätten, derart verletzt wurde. Zudem ist es zweifelhaft, dass die verhafteten beiden Männer zur Tatzeit überhaupt anwesend waren, noch dass ihre Stimmen auf dem Mailboxmitschnitt zu hören sind.
Dennoch schaltet sich völlig überstürzt der Generalbundesanwalt ein, auch aufgrund beispielloser Einmischung seitens der Politik. Beide vermeintlichen Täter werden per Hubschrauber mit Handfesseln und Augenbinde transportiert als handel es sich um Terroristen. Es wird sofort, aufgrund von Lappalien wie Haarschnitt und Erscheinungsbild auf einen rechtsextremen Hintergrund der Männer geschlossen. Und nicht zuletzt das unendliche Hin und Her bei den Verhaftungen.

Die Tat als solche bleibt schlimm aber es handelte sich wie schon oben gesagt “nur” um eine alltägliche Schlägerei mit tragischem Ausgang. Was aber Medien, Politik und leider auch die Justiz veranstaltet haben kam einer Hexenjagd gleich, bei der man erkennen musste, dass die Rechtsstaatlichkeit am seidenen Faden hing und von blindem Aktionismus seitens Gutmenschen untergraben wurde.

Wenn ein Ausländer mich als “Scheiss Deutschen” bezeichnet, ich ihn trete und er mich mit einem Schlag unglücklicherweise ins Koma befördert, schaltet sich dann auch der Generalbundesanwalt ein? Gibt es Lichterketten für mich? Haufenweise Beileidsbekundungen und Blumen? Ich denke doch eher nicht. Wahrscheinlicher ist, dass ich selber Schuld wäre.

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2 Kommentare
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  1. Der Freispruch ist aber ein dicker Fehlschlag im Kampf gegen rechts. Denn im Verlauf des Prozesses ist doch herausgekommen, daß das Opfer Ermyas M. gar nicht so nett ist, wie wir autochthonen Deutschen uns Menschen mit Migrationshintergrund pflichtgemäß vorzustellen haben. Pöbeleien gegen einen Busfahrer, Tritte in Ärsche von Menschen, die vorher als ” Schweinesau” beschimpft werden: vielleicht ist das einzig Gute an diesem Verfahren, daß die oft aggressiven Verhaltensweisen von Migranten, den Deutschen oft als ihr Vorurteil unterstellt, sich als nur zu wahr erwiesen haben.

  2. [...] fühle ich mich beim Fall Mügeln nur an die Vorgeschichte des Fall Ermyas Mulugeta erinnert? Kein Mensch weiß was eigentlich genau vorgefallen ist aber die Journaille wütet mit [...]

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